Lohary/Lovari"Pferdehändler"

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Lohary/Lovari"Pferdehändler"

Komentar  Admin on Sun Mar 30, 2008 3:48 pm

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Lovara

Lovara ( "Pferdehändler" – Ung. ló"Pferd" + Plural des Nomina-agentis-Suffixes /-ari/) sind zu den Vlach-Roma zu rechnen; Vlach-Roma oder walachische Roma deshalb, weil sie – wie andere Vlach-Roma-Gruppen auch – Jahrhunderte in Moldawien und der Walachei – Teil des heutigen Rumäniens – als Sklaven bzw. Leibeigene verbracht haben.


Geschichte
Die im heutigen Österreich lebenden Lovara sind in zwei Migrationsschüben gekommen: die erste Gruppe in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Ungarn und der Slowakei, die zweite während des so genannten "Ungarnaufstands" 1956. Enge Verbindungen zu Lovara-Gruppen in der Slowakei bestehen heute nicht mehr, während die Kontakte nach Ungarn in erster Linie der 1956 Eingewanderten aufgrund von verwandtschaftlichen Beziehungen z.T. noch intakt sind.

Die im 19. Jahrhundert eingewanderten Lovara gingen im Raum des heutigen Nordburgenlandes bis zum Verbot ihren Wanderberufen, hauptsächlich dem Pferdehandel, nach. Ab 1909 gingen Ämter und Behörden mit extremer Härte gegen Roma-Gruppen vor. Entweder sollten sie zur Ansiedlung gezwungen oder vertrieben werden, wobei beide Vorgehensweisen auf gesetzlicher Basis standen. Um sie am Weiterwandern zu hindern, wurden ihnen in allen Komitaten die Zugtiere und Wagen abgenommen. Pferde und Esel durften sie nur mehr mit polizeilicher Erlaubnis kaufen.

Nach dem Zerfall der österreich-ungarischen-Monarchie und der Entstehung der Republik Österreich nach dem 1. Weltkrieg wurden die sich im Burgenland – seit 1921 österreichisches Bundesland – und den angrenzenden Bundesländern aufhaltenden Lovara zu österreichischen Roma. Als solche waren sie der stetig zunehmenden Stigmatisierung und Diskriminierung in der Zwischenkriegszeit, die im Genozid der Nazis ihren negativen Höhepunkt fand, ausgesetzt.

Dem Genozid in den Konzentrationslagern ging die Zerstörung der Siedlungen voraus. Einige Lovara-Familien waren Ende der 30er Jahre im Burgenland, einige in Wien ansässig. Von den alten Siedlungen in Wien, wie dem Ringelseeplatz in Floridsdorf, der Hellerwiese und der "Wankostätten" im 10. Bezirk, wo große Familien wohnten, dienten die "Wankostätten" den Nazis als Sammellager vor der Deportation. Die "Wankostätten" wurden nach dem Abtransport zerstört, die anderen Plätze wurden nach Kriegsende ebenso geschliffen und verbaut wie Häuser und Siedlungen im Nordburgenland.

Von den Überlebenden kehrten nur einige wenige in die nordburgenländischen Dörfer zurück. Die überwiegende Mehrheit versuchte, in der Großstadt Fuß zu fassen und nahm z.T. die alte berufliche Mobilität wieder auf: Einige verdienten ihren Lebensunterhalt im Altwaren- und Teppichhandel. Ihre frühere, noch in der Zwischenkriegszeit am häufigsten ausgeübte Tätigkeit, der Pferdehandel, war nur noch im ersten Nachkriegsjahrzehnt von Bedeutung. Lovara wurden von den Behörden der Zweiten Republik häufig nicht als KZ-Opfer anerkannt. Man hat ihnen die anderen Internierten zugestandenen Hilfen und Entschädigungen lange verweigert. Roma und Sinti hatten im Nachkriegsösterreich keine Lobby, die für ihre Rechte eingetreten wäre.

Der Genozid durch das Nazi-Terror-Regime ist als Zäsur zu sehen: Die Großfamilien und damit die tradierte Soziostruktur waren zerschlagen, die Lovara haben seither keinen angestammten Siedlungsraum mehr. Die Folgen davon sind ein bis heute verringerter Kontakt der Familien untereinander sowie unterschiedliche Überlebensstrategien der Einzelfamilien im Umfeld der Mehrheitskultur. Von den Betroffenen selbst wird betont, dass eine größere Gruppe sich selten versammle, allenfalls bei Begräbnissen oder zu Weihnachten; regelmäßige Kontakte bestehen nur zwischen wenigen Personen oder Familien.

Neben dem Genozid sind, wie die Situation der 1956 eingewanderten Gruppe zeigt, die geänderten Lebensbedingungen im hochindustrialisierten Europa der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts eine weitere Ursache für drastische Veränderungen im Leben der österreichischen Lovara: Nischenberufe – Pferde-, Teppich-, Altwarenhandel etc. – verlieren ihre Bedeutung. Die ehemals für den Lebensunterhalt notwendige Mobilität wird zum Handicap, was die dauerhafte Ansiedlung in Städten zur Folge hat.

Gegenwärtige Situation
Lovara leben heute vor allem in Ostösterreich, in erster Linie in Wien. In Westösterreich sind sie nur vereinzelt anzutreffen. Die bei den Ersteinwanderern vor dem Krieg noch intakte Soziostruktur ist fast gänzlich verschwunden. Die "Traditionspflege" und damit auch die Kontinuität in der Verwendung des Romani differiert von Familie zu Familie. Bei allen haben sich durch die Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft Lebensstil und soziale Situation jedoch so weit verändert, dass von der typischen Großfamilienstruktur und der charakteristischen Familienbezogenheit der Roma nur noch Anklänge vorhanden sind.

Daher wachsen Kinder und Jugendliche meist im mehrheitssprachlichen Umfeld auf. Die Sprachtradierung ist folglich meist unterbrochen, und auch das Interesse der Jugendlichen an der Kultur und Sprache von Eltern und Großeltern ist nur in einem geringen Maß vorhanden.

Die Angehörigen beider Lovara-Gruppen sind in der Regel sozial etabliert; d.h. sie nehmen am allgemeinen Wohlstand teil und leben, wenn man ihre derzeitige Situation nach dem äußeren Anschein und aus dem Blickwinkel des Durchschnittsösterreichers betrachtet, materiell abgesichert in geordneten Verhältnissen.




Text beruht im Wesentlichen auf
Fennesz-Juhasz, Christiane / Halwachs, Dieter W. / Heinschink, Mozes F. (1996) Sprache und Musik der österreichischen Roma. In: GLS 46, pp. 61-110.
Halwachs, Dieter W. (2004) Lovara-Romani – Gruppe und Variante. http://www-gewi.kfunigraz[...]t/romani/ling/lov.de.shtm.
Halwachs, Dieter W. (2001) Romani in Österreich. In: Halwachs, Dieter W. / Menz, Florian (eds.) Die Sprache der Roma. Perspektiven der Romani-Forschung in Österreich im interdisziplinären und internationalen Kontext, Graz, pp. 1-37.

Literatur
Cech, Petra / Fennesz-Juhasz, Christiane / Heinschink, Mozes F. (eds.) (1999) Lovarenge paramici taj tekstura anda Österreich. Texte österreichischer Lovara. Arbeitsbericht 2 des Projekts Kodifizierung der Romanes-Variante der österreichischen Lovara, Graz.
Cech, Petra / Fennesz-Juhasz, Christiane / Halwachs, Dieter W. / Heinschink, Mozes F. (eds.) (2001) Fern von uns im Traum ... / Te na dikhas sunende ... Märchen, Erzählungen und Lieder der Lovara, Klagenfurt.
Hemetek, Ursula (ed.) (1994) Amare ģila – Unsere Lieder. Ruža Nikoliæ-Lakatos. Beiheft zur gleichnamigen CD (= Tondokumente zur Volksmusik in Österreich, Vol. 4, Romamusik 1), RST-91571-2, Wien.
Nikoliæ, Mišo (1997) "... und dann zogen wir weiter". Lebenslinien einer Romafamilie, Klagenfurt.
Nikoliæ, Mišo (2000) Landfahrer. Auf den Wegen eines Rom, Klagenfurt.
Stojka, Ceija (1988) Wir leben im Verborgenen. Erinnerungen einer Rom-Zigeunerin, Wien.
Stojka, Ceija (1992) Reisende auf dieser Welt. Aus dem Leben einer Rom-Zigeunerin, Wien.
Stojka, Karl (1994) Auf der ganzen Welt zuhause. Das Leben und Wandern des Zigeuners Karl Stojka, Wien.
Stojka, Mongo (2000) Papierene Kinder. Glück, Zerstörung und Neubeginn einer Roma-Familie in Österreich, Wien.


Druckversion


O Rom njerij e benges – Der Rom besiegt den Teufel (Märchen)


Lovara auf der Durchreise (Radkersburg [Österreich]), 1920

Ceija Stojka bei einem Vortrag in einer Schule (Wien)

Karl Stojka erhält das Ehrenzeichen der Republik Österreich (Wien), 2001

Mongo Stojka im Publikum bei der Preisverleihung an Karl Stojka (Wien), 2001

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Die Lovara "Pferdehändler"

Komentar  Admin on Sun Mar 30, 2008 6:10 pm

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Pferdehandel


Pferdehändler (Lovara) bei der Überprüfung eines Pferdes (Rumänien), 1980

Der Pferdehandel zählt zu den ältesten, am weitesten verbreiteten und angesehensten Berufen der Roma. Beim Romani-Begriff für Pferd grast handelt es sich um ein armenisches Lehnwort (arm.: grast), was den Schluss nahe legt, dass Roma erst nach der Abwanderung aus Persien im 9. bis 10. Jh. vermehrt als Pferdehändler tätig waren. Die Lovara ("Pferdehändler"; Ung. ló"Pferd" + Plural des Nomina-agentis-Suffixes -ari) sind jene Roma-Gruppe, deren Sozialstruktur am engsten mit dem Pferdehandel in Verbindung steht bzw. stand.

Historische Entwicklung
In Folge der mittelalterlichen Kriegszüge gewann der Pferdehandel immer mehr an Bedeutung, da Pferde die wichtigsten Transport- und Fortbewegungsmittel waren. Viele Roma-Gruppen erkannten offenbar rasch die Notwendigkeit dieser Dienstleistung und ihre berufliche und räumliche Flexibilität prädestinierte sie für die Ausübung dieser Tätigkeit.

Ab dem 13. Jahrhundert werden Roma in Urkunden und Chroniken immer häufiger mit dem Pferdehandel in Verbindung gebracht. [Ankunft in Europa] In der 1628 erschienen "Continuatio", einer Fortsetzung des Geschichtswerks des französischen Gelehrten Jacques-Auguste de Thou, berichtet der Autor unter anderem vom Kreuzzug König Ludwigs IX. (1214-1270) gegen die Ägypter. Viele Roma hätten sich dem Heer Ludwigs IX. angeschlossen und Kriegsdienst gegen die Sarazenen geleistet. Nach der Niederlage waren die meisten Roma aufgrund ihrer christlichen Konfession gezwungen, Ägypten zu verlassen. Sie schlossen sich dem abziehenden Heer an und ließen sich in Europa nieder. Der Autor lobt zudem ihre soldatischen Fähigkeiten und beschreibt sie als schlaue Händler, die es verstünden, "klapprigen" und dürren Pferden durch bestimmte Kräuter neues Leben einzuhauchen.

Die 1517 veröffentlichte "Sächsische Chronik" von Albert Krantz beinhaltet eine der frühesten Schilderungen über die Ankunft einer Roma-Gruppe in Westeuropa. Krantz geht davon aus, dass die Roma 1417 die Ostseeküste erreichten und vom Pferdehandel lebten. Zudem weist er darauf hin, dass sie "aller Sprachen kundig seien". Als mehrsprachige und fahrende Händler waren die Roma gegenüber sesshaften Händlern im Vorteil. Sie wussten als Erste darüber Bescheid, wo man unter guten Bedingungen Pferde tauschen konnte und wer sie am dringendsten benötigte. Im Laufe der Jahrhunderte erwarben sich Roma einen ausgezeichneten Ruf als Pferdehändler und immer wieder wird anerkennend auf ihre Fähigkeit bzw. "Gerissenheit" verwiesen, aus billig erworbenen Pferden geeignete Zug-, Last- und Reittiere zu machen, die sie mit Gewinn weitertauschten oder -verkauften. Als mobile Händler war es ihnen allerdings kaum möglich, selbst Pferde zu züchten. Die Lovara beschränkten sich zumeist darauf, als Zwischenhändler tätig zu sein.

Was die politische Dimension betrifft, wurde der Pferdehandel in den Augen der Obrigkeit immer mehr zu einem Synonym für eine nomadische Lebensweise. Im Zuge der Zwangsassimilierungsbestrebungen im 18. Jahrhundert wurde der Pferdehandel in vielen Teilen Europas verboten und den betreffenden Roma damit ihre wichtigste Einnahmequelle genommen. Die Roma wussten sich aber zumeist diesen Verboten zu entziehen.

Im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte nahm die Bedeutung aller traditionellen Berufe und somit auch des Pferdehandels kontinuierlich ab. Die mit der Industrialisierung einhergehende Rationalisierung und Mechanisierung der Landwirtschaft führte zu einem erheblichen Rückgang des Bedarfs an verschiedenen Dienstleistungen, wovon vor allem Dienstleistungsnomaden wie Pferdehändler betroffen waren.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert entwickelte sich der Rassismus zur bestimmenden Ideologie. Behördliche Diskriminierung, polizeiliche Gewalt und Schikanen nahmen stetig zu und schränkten den Handlungsspielraum und damit die beruflichen Möglichkeiten vor allem mitteleuropäischer Roma- und Sinti-Gruppen auf ein Minimum ein. [Rassismus und Antiziganismus] Eine Verarmungstendenz, die durch die Wirtschaftskrise in den 30er Jahren noch zusätzlich verstärkt wurde, war die Folge. Aufgrund ihrer nach wie vor intakten Sozialstruktur, ihres weit verzweigten Sozialnetzes und grenzüberschreitenden Familienzusammenhalts gelang es einigen Lovara-Gruppen, ihr mobiles Gewerbe bis Mitte der 30er Jahre weiterhin auszuüben. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der zunehmenden Radikalisierung der Politik gegenüber Roma und Sinti in vielen Ländern Europas war daran nicht mehr zu denken.

Der Holocaust zerstörte nicht nur das Leben Tausender Roma und Sinti, sondern auch deren traditionelle Sozialstruktur nachhaltig. Die überlebenden Roma Mitteleuropas waren gezwungen, in anderen Branchen Fuß zu fassen. In Osteuropa verhinderte die staatliche Assimilierungspolitik die Ausübung des Pferdehandels.

Handel
Während der Sommermonate zogen die Lovara von einem Pferdemarkt zum anderen. Fuhren die einzelnen Großfamilien mit ihren Wägen getrennt voneinander, wiesen für Außenstehende unsichtbare Zeichen den Nachkommenden den Weg. An Wegkreuzungen wurden etwa mit Pferdehaar umwickelte Steine aneinander gereiht. Jede vica hatte ihre eigenen Symbole.

Die Roma-Wägen waren abhängig von den klimatischen Bedingungen und dem Wohlstand der Gruppe entweder mit Zeltplanen (Planenwagen) bedeckt oder mit Holz verkleidet (Kastenwagen). Die Wägen wurden von zwei Zugpferden gezogen. Die zum Verkauf bestimmten Pferde liefen angebunden hinterher. Im Sommer nächtigten die Lovara in einfachen Zelten – mit Zeltplanen bespannten Gabelhölzern –, in der kalten Jahreszeit in den Wägen. Fand ein Pferdemarkt statt, versuchten die Lovara, in der Nähe des Dorfes oder der Stadt einen geeigneten Lagerplatz zu finden, um rechtzeitig den Marktplatz erreichen zu können.

Die Lovara waren ob ihres sicheren und überzeugenden Auftretens und vornehmen Erscheinungsbildes geachtete Händler. Sie waren bekannt dafür, Pferde geringerer Qualität zu einem guten Preis zu verkaufen und standen somit nicht in Konkurrenz zu den anderen Pferdehändlern, die sich auf teure Pferde spezialisierten. Lovara wurde auch ein fundiertes Wissen zu medizinischen Fragen bescheinigt. Sie wussten, wann ein Pferd zur Ader gelassen werden musste und welche Kräuter für welche Wunden am geeignetsten waren. Es kam immer wieder zu Verdächtigungen, Lovara würden verschiedene Kunstgriffe anwenden, Pferde kurzzeitig attraktiver erscheinen zu lassen. Ihnen wurde unterstellt, sie würden den Tieren Aufputschmittel wie Arsenik einflößen oder den Atem keuchender und asthmatischer Pferde mithilfe von Leinsamen oder Alkohol normalisieren.

Lovara wie die Burgenland-Lovara, die in einem kleinen Gebiet handelten und immer wieder dieselben Märkte aufsuchten, waren jedoch auf das Vertrauen der Landbevölkerung angewiesen und konnten sich diese betrügerischen Verkaufspraktiken gar nicht erlauben. Die Akzeptanz gerade der Burgenland-Lovara bei den Händlern und Bauern kommt auch darin zum Ausdruck, dass die örtlichen Pferdehändler Wörter aus dem Fachjargon der Roma übernommen haben. Sie verwendeten phurdino für "asthmatisch" oder bango für "krumm". Ein abgeschlossener Handel wurde im Gasthaus gefeiert, wobei der Käufer die Zeche zahlen musste.

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