jati (džati)

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jati (džati)

Komentar  Admin on Sun Mar 30, 2008 4:33 pm

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Jati

Jati ist das Wort für "Kaste" und wird (in phonetischen Varianten) in verschiedenen indischen Sprachen verwendet. Obwohl es als Begriff im Romani nicht mehr verwendet wird, ist seine soziokulturelle Bedeutung, mit einem Großteil der gesellschaftlichen und kulturellen Implikationen, in der Roma-Gesellschaft nach wie vor wirksam.

Als jati wird eine Gemeinschaft von Verwandten bezeichnet, die einen der grundlegenden traditionellen "Kasten"-Berufe ausübt (mit möglichen zusätzlichen Einkommensformen, die ihnen jedoch nicht den rituellen Status ihres Hauptberufes nehmen). Kasten ergänzen einander in wirtschaftlicher Hinsicht, d.h. ihre Mitglieder tauschen untereinander die jeweiligen Produkte und Dienstleistungen ihrer Berufe. Gesellschaftlich gesehen grenzen sich die Kasten strikt voneinander ab und halten keinen Kontakt zueinander. Wie die indische Kastengesellschaft ist auch die traditionelle Roma-Gemeinschaft "endogam" und verbietet Kommensalismus.

Endogamie bedeutet, dass ein Mitglied einer Kaste nicht ein Mitglied aus einer anderen Kaste heiraten darf. In einigen Orten in der südlichen Slowakei (in der Umgebung von Ša¾a und Galanta), wo Vlach-Roma und Rumungri (Ungrika-Roma) gemeinsam in einem Dorf leben, stellt Endogamie bis heute eine unverrückbare Regel dar. (Andererseits findet man in Petrovany [in der Nähe von Prešov] oder in ¼ubica [in der Nähe von Kežmarok] Ehen zwischen Vlach-Roma und Servika-Roma.) Wie in Indien kommt es nur in Ausnahmefällen vor, dass das Gebot der Endogamie gebrochen wird. Die gesellschaftliche Stellung solcher Paare und ihrer Kinder ist sehr schwierig.

Kommensalismus, also das Essen gemeinsam am selben Tisch einzunehmen, wurde bereits im elften Jahrhundert vom arabischen Historiker Al-Bírúní erwähnt. Er schrieb: "Wenn die vier Kasten gemeinsam aßen, [er dachte dabei an die vier varny] musste jede für sich eine Gruppe bilden, wobei in einer Gruppe nicht zwei Männer aus unterschiedlichen Kasten sein durften." (Alberuni's India, 1989, S. 102)

Wie auch in Indien schreibt das Kommensalismus-Verbot in traditionell lebenden Roma-Gesellschaften darüber hinaus vor, dass jemand, der sich selbst als "höherstehend" (rituell "rein") erachtet, niemals Essen im Haus eines Mitglieds einer anderen Gruppe, die in der gesellschaftlichen Hierarchie einen niedrigeren Platz einnimmt, annehmen darf. [Mahrime] Wenn der Unterschied zwischen den Kasten nicht zu groß ist, können "reine" ("höhere") Leute kaèèá kháná (rohes Essen) annehmen, sofern das Essen nicht von der Hand einer "niedrigeren" Person berührt worden ist. In Indien wäre das Obst oder Milch.

Traditionellerweise legen die Servika-Roma den Ausdruck kaèèá kháná in der Bedeutung von šuko chaben (wörtl.: "trockene Nahrung") aus, also Nahrungsmitteln, die in einem Geschäft gekauft worden sind: abgepackte Kekse, Semmeln, Salami. Pakká kháná (Hindi) – gekochtes Essen (Romani: tado chaben) – wird nur von jenen angeboten und angenommen, die davon ausgehen, gleichrangigen Kasten anzugehören.

Wenn ein žužo Rom, ein rituell "reiner" Rom, einen degeše einlädt, werden nach dessen Besuch die Teller, von denen er gegessen hat, weggeworfen. Kein Mitglied des Haushalts würde jemals wieder von diesen Tellern essen. In Indien ist dieser Brauch fast gleich.

Eines der wichtigsten Unterscheidungskriterien bei den verschiedenen indischen (und Roma-) jati ist das des erlaubten bzw. verbotenen Essens. Žuže Roma essen kein "unreines" Fleisch – wie Pferdefleisch, Hunde und Katzen (und manchmal auch Fleisch von wilden Tieren). In Indien gelten Pferdefleisch und Schweinefleisch als "unrein". (Rind ist aus religiösen Gründen verboten).

In Indien – und auch in Teilen der Slowakei – werden verschiedene Berufe dann als "unrein" eingestuft, wenn "unreine" natürliche Materialien und Gegenstände berührt werden müssen. In Indien ist das Haut, aber auch Schmutz und natürlich Abfall. Deshalb haben jati, die mit diesen Materialien arbeiten (einschließlich Trommler, da für die Bespannungen der Trommeln Tierhäute verwendet werden), eine sehr niedere Stellung. Auswirkungen dieser indischen Tradition findet man noch immer in einigen Roma-Gemeinschaften.

Die Berufe der Fellhändler (Händler mit Tierhäuten), Kadaverbeseitiger (eine Person, die Tierkadaver kauft oder nutzloses Vieh schlachtet) und "Kastrierer" ("Schweinekastrierer") sind "unrein" und ein žužo Rom hält Abstand zu Menschen, die diese Berufe ausüben. Manchmal hatten auch Hersteller von Lehmziegeln, Brunnen- oder Totengräber eine niedrige gesellschaftliche Stellung. (An anderen Orten zwang die Not die Roma, ihren Lebensunterhalt mit dem Herstellen von Lehmziegeln zu verdienen, während sie weiterhin ihre traditionellen Berufe – als Schmied oder Musiker – ausübten.)

Obwohl – wie anfangs erwähnt – der Terminus jati im Romani nicht vorkommt, wurden die Kasten-Barrieren zwischen Roma-Familien und -Gruppen nie vollkommen beseitigt und sind in der internen Hierarchie als Trennlinien und Unterscheidungsmerkmale (erlaubtes bzw. verbotenes Essen, "reine" bzw. "unreine" Berufe) – ähnlich jenen der traditionellen indischen Gesellschaft – erhalten geblieben.

Andererseits ist in den letzten Jahren der Prozess der politischen Emanzipation vorangeschritten und die Zahl der Roma mit einer höheren Schulbildung und sogar einem abgeschlossenen Universitätsstudium ist angewachsen. Die Anzahl politischer und kultureller Organisationen ist so hoch wie nie zuvor. Durch den engen und häufigen Kontakt kommt es auch zu einer vermehrten Zusammenarbeit auf internationaler Ebene. Diese Faktoren trugen zumindest dazu bei, dass der traditionelle Abstand zwischen den einzelnen Gruppen (Kasten) in den letzten Jahren geringer geworden ist.

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